Mütterliche Schuldgefühle: Eine einfühlsame Auseinandersetzung mit dem Phänomen Mom Guilt

Mütterliche Schuldgefühle, oder „Mom Guilt“, sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Mütter auf die ein oder andere Art und Weise selbst schon einmal zu spüren bekommen haben. Besonders die Mütter, die kurz nach der Geburt wieder ins Berufsleben einsteigen, werden davon geplagt. Denn dieses Gefühl, ständig Fehler zu machen oder den Ansprüchen an eine „perfekte Mutter“ nicht gerecht zu werden, ist tief in der Gesellschaft verankert.
Aber was genau steckt dahinter und wie kannst Du damit umgehen?

Was bedeutet Mom Guilt?

Mom Guilt ist ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Eltern betrifft – speziell aber berufstätige Mütter.
Dabei bezeichnet der Begriff das anhaltende Gefühl der Unzulänglichkeit und Schuld, welches entsteht, wenn Mütter glauben, den Anforderungen ihrer Kinder, ihrer Arbeit und anderen Verpflichtungen nicht gerecht zu werden.

Definition Mom Guilt

Die Definition der mütterlichen Schuld beschreibt das innere Spannungsfeld, in dem sich viele Mütter befinden. Es handelt sich um das ständige Ringen darum, die Bedürfnisse der Kinder, die Anforderungen des Jobs und die eigenen Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Dieses Gefühl wird oft von Selbstzweifeln und einem schlechten Gewissen begleitet.

Beispiele aus dem Alltag

  1. Der tägliche Spagat:
    Eine Mutter verlässt eilig das Büro, um ihre Kinder noch rechtzeitig aus der Kindertagesstätte abzuholen. Dabei weiß sie genau, dass ihre Projekte noch nicht abgeschlossen sind und die To-do-Liste immer länger wird. Dieses Szenario erzeugt ein starkes Gefühl der Schuld und des Versagens.

  2. Der ständige Vergleich:
    Beim Durchscrollen von Social Media sieht sie andere Mütter, die scheinbar alles perfekt im Griff haben – saubere Wohnungen, eine erfolgreiche Karriere und Babys, die scheinbar mühelos durchschlafen.
    Dies verstärkt das Gefühl, selbst nicht genug zu leisten und weckt Zweifel an den eigenen Fähigkeiten.

  3. Die inneren Stimmen:
    Selbst, wenn der Alltag gut organisiert ist, meldet sich bei arbeitenden Müttern immer wieder eine innere Stimme: „Verbringst Du genug Zeit mit Deinen Kindern?“

Woher kommen die Schuldgefühle einer Mutter?

Schuldgefühle bei Müttern sind komplex und vielschichtig. Sie entstehen durch eine Kombination aus natürlichen Emotionen, gesellschaftlichen Erwartungen und der modernen Lebensweise. Dabei sind die Schuldgefühle der Mütter eine tief verankerte emotinale und zugleich natürliche Reaktion.
Diese Gefühle sollen Dich dazu anregen, Dein Verhalten zu reflektieren und nach Verbesserungs-möglichkeiten zu suchen. Doch in Zeiten von Social Media, die das perfekte Leben der anderen zeigen, werden diese Gewissensbisse oftmals unnatürlich verstärkt.

Gesellschaftliche Erwartungen und Druck

Ein wesentlicher Faktor für die Schuldgefühle als Mutter sind die hohen gesellschaftlichen Erwartungen.
Diese hat klare Vorstellungen davon, was eine Mutter tun sollte und was nicht.

Dadurch entsteht ein immenser Druck:

  • Mütter sollen erfolgreich im Beruf sein.
  • Mütter sollen Arbeit und Familie unter einen Hut bringen.
  • Mütter sollen dem Partner gerecht werden.
  • Mütter sollen ihre sozialen Kontakte pflegen.

Diese vielfältigen Anforderungen können zu einem Gefühl der Überforderung führen.

Studienergebnisse und mentale Gesundheit

In diesem Zusammenhang zeigt sich auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2018, dass sich das mentale Wohlbefinden von Frauen nach einer Geburt oft verschlechtert.
So berichtet jede dritte Frau, das Gefühl zu haben, niemandem gerecht zu werden. Diese negative Entwicklung wird häufig auf den Konflikt zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Idealen einer guten Mutter und den damit verbundenen widersprüchlichen Erwartungen zurückgeführt.

Das fehlende Dorf

Speziell das Fehlen eines unterstützenden Netzwerkes führt zu einer Verschlechterung der Schuldgefühle als Mutter. So hat der Spruch „Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“ auch heute immer noch seine Gültigkeit. Aber genau hier liegt das Problem. Denn in der modernen Gesellschaft von heute leben viele Familien isoliert im Kleinfamilienverband. Diese Isolation erhöht den Druck und die Erwartungshaltungen auf die Mütter, da sie sich oftmals allein um die Kinder kümmern müssen.

Die Rolle der Kinder

Kinder selbst sind übrigens nicht die Ursache für Mom Guilt, sondern eher der Auslöser dafür. Denn oftmals sind es lediglich unschuldige Fragen oder Kommentare der Kinder, die die Schuldgefühle bei Müttern auslösen.

Beispiele aus dem Alltag:

  1. Fragen und Vergleiche:
    Dein Kind fragt Dich, warum es nicht das gleiche tolle Spielzeug hat wie sein Freund. Du fühlst Dich sofort schuldig, weil Du glaubst, Deinem Kind nicht genug zu bieten.

  2. Schulprojekte und Freizeitaktivitäten:
    Dein Kind erwähnt, dass andere Eltern bei Schuldprojekten helfen oder an Freizeitaktivitäten teilnehmen. Du fühlst Dich schuldig, weil Du wegen der Vollzeitarbeit Deinem Muttersein nicht nachkommen kannst.

  3. Essen und Snacks:
    Dein Kind fragt Dich, warum Du nicht auch Radieschenrosen in seine Lunchbox packst. Anstatt Deinem Kind zu erklären, warum das nicht geht, fühlst Du Dich als Mutter sofort verurteilt.

Dad Guilt: Schuldgefühle bei Vätern:

Nicht nur Mütter leiden unter Schuldgefühlen, auch Väter erleben diese. Selbst in Beziehungen, die als gleichberechtigt gelten, tritt mit der Geburt des Kindes häufig ein Traditionalisierungseffekt ein.
Die Väter gehen arbeiten, stets mit dem Druck, dem Kind gerecht werden zu müssen und die Familie zu versorgen. Diese doppelte Erwartungshaltung kann ebenfalls ein schlechtes Gewissen auslösen.

Beispiele für Dad Guilt

  1. Berufliche Verpflichtungen:
    Ein Vater, der lange arbeitet, fühlt sich schuldig, weil er nicht genügend Zeit mit seinen Kindern verbringen kann.

  2. Gesellschaftliche Erwartungen:
    Die Erwartung, sowohl der Ernährer, als auch der fürsorgliche Vater zu sein, führt oft zu einem Gefühl der Überforderung und Unzulänglichkeit.

  3. Vergleich mit anderen Vätern:
    Wenn andere Väter es scheinbar schaffen, sowohl beruflich erfolgreich zu sein, als auch aktiv am Familienleben teilzunehmen, kann dies zu zusätzlichen Schuldgefühlen führen.

Wie äußert sich Mom Guilt?

Neben den ständigen Gewissensbissen können die Schuldgefühle einer Mutter tief greifende psychische Belastungen mit sich bringen.

Anzeichen von Mom Guilt:

  • Ständiges Hinterfragen:
    Viele Mütter zweifeln ständig an ihrer Kompetenz und fragen sich, ob sie wirklich gute Mütter sind.
    Dieser innere Kritiker ist unerbittlich und verstärkt die Unsicherheit.

  • Vergleich mit anderen Müttern:
    Gleiches gilt für das ständige Vergleichen mit anderen Müttern.

  • Gefühl des Versagens:
    Ein dauerhaftes Gefühl, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, ist ein weiteres zentrales Merkmal von Mom Guilt. Die Versagensängste ziehen sich durch alle Bereiche des Lebens – sei es bei der Erziehung, im Haushalt oder im Beruf. Wie Du es schaffst diese Versagensängste in diesen verschiedenen Bereichen überwinden zu können, erfährst Du in meinem weiteren Blogbeitrag Versagensangst überwinden: Erfolgreich mit Ängsten umgehen.

  • Schuldgefühle bei eigenen Bedürfnissen:
    Viele Mütter bekommen außerdem ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse über die der Familie stellen. Dieser Moment der Selbstfürsorge wird dann schnell von negativen Gedanken überschattet.

  • Anhaltende To-do-Listen:
    Mütter denken ständig darüber nach, was als Nächstes erledigt werden muss.
    Diese endlosen To-do-Listen können den Eindruck der Überforderung stärken.

  • Rechtfertigende Gedanken:
    Mütter führen stumme, rechtfertigende Dialoge in ihrem Kopf. Sie denken darüber nach, wie sie ihre Entscheidungen und Handlungen gegenüber anderen rechtfertigen können, auch wenn niemand sie tatsächlich kritisiert.

Und aus den anfänglichen Gedanken werden irgendwann belastende Emotionen, die Dich zu erdrücken scheinen.

Mit Mom Guilt umgehen: Das kannst Du tun

Damit das nicht der Fall ist, und die negativen Gedanken Deinen Alltag nicht überlagern, gibt es einfache Möglichkeiten, mit denen Du Deine Schuldgefühle in den Griff bekommst.

Ansprüche runterschrauben und eigene Ressourcen schützen

Der erste Schritt im Umgang mit Mom Guilt besteht darin, Deine eigenen Ansprüche zu überdenken.
Du setzt Dich meist enorm unter Druck, mit unrealistischen Erwartungen gegen Dich selbst. Sei weniger streng mit Dir und erkenne, dass es kein Makel ist, wenn Du nicht perfekt bist.

Perspektivwechsel und Fokus auf die Beziehung

Statt zu versuchen, alles perfekt zu machen, konzentriere Dich auf eine starke und liebevolle Beziehung zu Deinem Kind. Das bedeutet: Ein perfektes Frühstück oder ein makellos aufgeräumtes Zimmer sind weniger wichtig als die Qualität der Zeit, die Du mit Deinem Kind verbringst. Die emotionale Verbindung und das Gefühl der Geborgenheit sind entscheidender für die Entwicklung Deines Kindes.

Qualität statt Quantität

Es geht nicht darum, ständig präsent zu sein, sondern darum, die Zeit, die Du mit Deinem Kind verbringst, intensiv zu nutzen. Verbringe täglich etwa 30 Minuten mit Deinem Kind, in denen Du ihm Deine volle Aufmerksamkeit schenkst. Das bedeutet, ohne Handy und ohne Ablenkungen. Setze Dich zu Deinem Kind und sei ganz bei ihm.

Selbstfürsorge und Unterstützung

Vergiss nicht, dass auch Du Unterstützung und Fürsorge brauchst. Scheue Dich nicht, um Hilfe zu
bitten – sei es von Familie, Freunden oder professionellen Betreuern. Es ist keine Schwäche, Unterstützung anzunehmen.
Nimm Dir außerdem bewusst Zeit für Dich selbst. Ob es ein Spaziergang, ein Buch oder ein Bad ist – diese Momente der Selbstfürsorge sind wichtig, um Deine Batterien wieder aufzutanken. In einem weiteren Blogbeitrag Achtsamkeit für Frauen, erfährst Du, wie wichtig die Selbstfürsorge für Frauen im Alltag ist und wie Du durch Stärkung Deines Selbst-bewusst-seins mit mehr Achtsamkeit, produktiver und fokussierter werden kannst.

Offene Kommunikation

Sprich offen über Deine Gefühle und Sorgen. Teile Deine Momente des Zweifelns und der Schuld mit Deinem Partner, Freunden oder bei einer psychologischen- und systemischen Beratung. Das Aussprechen kann die Last mindern und Dir helfen, neue Perspektiven einzunehmen.
Falls auch Du Dich als Mutter von diesen Schuldgefühlen belastet fühlst, zögere nicht, mich zu kontaktieren. Ich biete Dir eine professionelle Beratung, damit Du lernst, mit Mom Guilt umzugehen und wieder ein erfüllteres Leben zu führen. Nimm Kontakt auf und starte den Weg zu einem selbstbewussteren und zufriedeneren Muttersein.

Du benötigst noch weitere Tipps und Strategien, um endlich Deine Schuldgefühle loswerden zu können?
Dann lese gerne meine weiteren Blogartikel 10 Tipps gegen mütterliche Schuldgefühle für arbeitende Mütter und Schuldgefühle überwinden und loswerden – in 5 Schritten.

Über die Autorin

Hallo, ich bin Andrea, psychologische und systemische Beraterin. Ich unterstütze dich einfühlsam und vertrauensvoll, die Krisen in deinem Leben zu meistern. Hier erfährst du mehr über mich.